Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht. - Max Weber

Einblicke

Das Schreiben ist nur ein Teil meines Lebens. Darin kommen viele Bereiche, an denen ich im einzelnen arbeite, zusammen. Einer davon ist meine Familie, die fast täglich abwechselnd für meine Verzweiflung, aber auch für Erheiterung und Inspiration sorgt.

Ohne die Erfahrung eines ironischen, selbstkritischen und humorvollen Umgangs, der sich über die Jahre bei uns etabliert hat, wäre mein Buch sicher ernster ausgefallen. Leider konnte ich nur einen Bruchteil dieser Perlen direkt verwenden. Daher möchte ich einige ausgewählte Szenen in Form kleiner Dialoge hier präsentieren.

Die Beteiligten sind mit ihren Spitznamen vertreten: Kaba, Opi und Xe, bei der zum besseren Verständnis der Lage in Klammern das Alter angegeben wird.

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Kaba: "Was ist das Gegenteil von Dummkopf?"

Opi: "Schlaufuß."

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Konstanten

Opi sinniert über das Verhältnis zwischen Männern und Frauen: "Frauen wollen von ihren Männern, daß sie Dinge wie deren Geburtstage, Hochzeitstage und runde Daten kennen. Aber Dinge wie zum Beispiel die Ruhemasse des Elektrons oder die Erdbeschleunigung interessieren sie nicht. Das sind aber auch sehr wichtige Konstanten! Ich verstehe das nicht.

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Experiment

Kaba versucht, Xe (9) Mathe beizubringen und formuliert folgende Aufgabe: Wir haben 1 kg Erdnüsse mit Schalen für 3,99 € gekauft. Wieviel kostet 1 Nußkern ohne Schale?

Opi hilft: Er holt eine Briefwaage, nimmt aus der Packung 13 Nüsse mit Schale und wiegt sie: 41 Gramm. Dann schält er die Nüsse und wiegt die Nußkerne: 29 Gramm. In diesem Augenblick wird Xe von einer Freundin angerufen, was das Experiment unterbricht. Opi und Kaba wenden sich anderen Aufgaben zu.

Xe plaudert eine Weile mit ihrer Freundin, kommit dabei zum Tisch, nimmt sich zuerst eine Erdnuß, dann noch eine und kommentiert ihre Handlungen am Telefon: "Wir machen hier gerade ein Experiment: Papa hat zuerst Erdnüsse mit Schalen gewogen, dann hat er sie geschält, und jetzt esse ich sie.

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Kaba bittet Xe (13) zum wiederholten Male darum, leise zu sein. Xe ist unzufrieden und beschwert sich: "Du hättest wohl gern einen Regenwurm als Tochter. Die sind schön still, helfen im Garten..."

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Xe (13) bei Tisch hält die Katze auf dem Schoß und beschwert sich: "Diese Katze! Versucht dauernd ihre Mundwimpern in mein Essen einzusenken! Wie heißen sie noch mal richtig?... Schnurrhaare!"

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Mist

Kaba lernt Englisch und schlägt das Wort "mist" nach. Daraufhin fällt ihr ein: "Die Engländer haben das Wort bestimmt von den Deutschen übernommen. Die Deutschen besuchten England, schauten aus dem Fenster, sahen den typischen Nebel und sagten: 'Mist!'"

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Xe (13) tut Kaba einen Gefallen und reagiert auf ein "Danke!" von ihr folgendermaßen: "Ich bin so nett, ich weiß! Und so selbstlos!"

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Kaba arbeitet an ihrem Buch und sucht nach der Bezeichnung für ein Phänomen, das sie Opi gegenüber folgendermaßen beschreibt: "Wie heißt die Bewegung der Erde, wenn sie sich einmal um sich selbst dreht?"

Opi: "Tag!"

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Linguist

Xe (11) löst eine Mathe-Aufgabe: Ein Junge sagt: "Ich habe viele große Fische und halb so viele kleine Fische gefangen. Zusammen waren es 16. Kann es sein?" Xe weiß nicht so recht, wie sie sich an die Aufgabe heranmachen soll.

Kaba hilft: "Angenommen, wir bezeichnen die Anzahl der großen Fische als X. Wie können wir dann die Anzahl der kleinen Fische bezeichnen?"

Xe: "Y."

Kaba: "Okay. Und in welcher Beziehung stehen X und Y zueinander?"

Xe antwortet nach einiger Überlegung: "Y ist die Hälfte von X."

Kaba: "Gut! Und wie können wir das aufschreiben?"

Xe nimmt den Stift und streicht die untere Hälfte von X weg, sodaß ein V übrigbleibt: "Schau, die Hälfte von X!"

Kaba lacht: "Das ist die Vorgehensweise eines Linguisten!"

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Opi sitzt bei Tisch, guckt auf Kaba und freut sich über das Leben: „Gutes Essen, schöne Frauen – was will man mehr?“

Kaba: „Mehr Essen und mehr Frauen?“

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Kaba erzählt Xe (12) von einem Artikel, der über die aktuelle Situation in den USA (Kredit- und Finanzkrise 2007++) berichtet. Dabei fallen die Worte: "Viele Amerikaner, wenn sie ihren Job verlieren, haben nicht einmal genug Rücklagen, um die Zeit bis zum nächsten Monat zu überbrücken. Ihre Kredite werden nicht bedient, und das setzt den Domino-Effekt in Gang.

Daraufhin Xe: "Die Amerikaner sollten mehr Brücken bauen."

Kaba staunt: "Warum?"

Xe: "Na, damit mehr Leute unter den Brücken leben können. Das nennt man dann 'überbrücken'!"

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Kaba irrt am frühen Morgen ziellos herum und fragt sich dann rhetorisch: "Wieso renne ich nur ständig in die Küche, wenn ich eigentlich die ganze Zeit den Rechner einschalten will?"

Opi: "Du folgst deiner genetischen Bestimmung!"

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Plackerei

Xe (15) backt einen Kuchen und beklagt sich über die viele Arbeit. "Das ist echt zuviel! Ich mach' ja schon die Nacharbeit: Kuchen essen!"

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Linguistische Schöpfung

Xe (15): „Das Familienleben hat Vor- und Hinterteile.“

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Die Todsünde

Kaba fühlt sich von Xe (15) gestört und hält ihr einen Vortrag über den richtigen Umgang innerhalb der Familie in der erklärten Absicht, Xe zu einem rücksichtsvollen Menschen zu erziehen. Opi hört dem geduldig zu und bemerkt anschließend: „Die Rücksichtsvöllerei ist auch eine Art der Völlerei und demzufolge eine Todsünde.“

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Nordbadisch

Opi: "Wußtest du, daß der US-Bundesstaat Ohio von den Nordbadenern gegründet wurde?"

Kaba: "Nein, aber wenn du es sagst..."

Opi: "Es war nämlich so... Da ging eine Karawane deutscher Auswanderer durch das Land und hatte plötzlich die Seen gesehen. 'Oh!', sagte der einer. Und der andere: 'Hajo'."

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Kaba hat Kopfschmerzen und klagt ihrem Lieblingskater ihr Leid: „Du hast es gut, Artoschka! Du weißt wahrscheinlich gar nicht, was Kopfschmerzen sind: Du hast einfach nicht genug Kopf!“

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Xe (12) hat eine Idee: "Mit den Süßigkeiten könnte man es eigentlich so machen: Einmal essen und sich dann beliebig oft an den Geschmack erinnern. Dann braucht man keine Süßigkeiten mehr zu essen. Nur würde mir dann Mars böse sein und auch Haribo."

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Opi wendet sich liebevoll an eine Katze, die ihn schon den ganzen Tag genervt hat: "Na, leben wir in Symbiose oder bist du doch ein Parasit?"

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Das Ego

Xe (15) sinniert über das Familienleben: „In Familien ist es so: Wenn das Kind in die Pubertät kommt, weitet sich das Ego aus, und dann gibt es einfach nicht genug Platz mehr für alle.“

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Abnehmen

Kaba drängt immer mehr darauf, daß Opi abnimmt und dafür im ersten Schritt darauf achtet, wieviele Kohlenhydrate er pro Tag zu sich nimmt. Zu diesem Zweck wird eine Waage angeschafft, die das Wiegen kleiner Mengen Lebensmittel erleichtert.

Der Druck scheint zu wirken. Nach einigen Tagen berichtet Kaba Xe(16) über die ersten Fortschritte: „Opi hat heute seinen Reis gewogen!“.

Darauf Xe: „Ah! Papa wiegt nicht mehr sich selbst, sondern nur noch seinen Reis. Clever!“

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Überraschung

Opi verschwindet plötzlich nach dem Frühstück für eine Weile und kehrt mit einem Strauß Rosen zurück, anläßlich des gestrigen Hochzeitstages. Am Nachmittag, als Xe (16) aus der Schule kommt und den Blumenstrauß bewundert, bemerkt Kaba: „Schöne Blumen, nicht? Vor allem waren sie heute – zur Feier von gestern – eine echte Überraschung!“

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Markenzeichen

Opi ist seit kurzem ein stolzer Besitzer eines Tabletts. Das ist ein Lenovo-Teil, da in der Familie Konsens darüber herrscht, daß man keine „Eier“, also „iTeile“ von Mac kauft. Eines Morgens frühstückt Opi mit seiner neuesten Anschaffung auf dem Tisch. Zum besseren Sichtwinkel legt er einen Apfel als Stütze hinter das Tablett. Xe (16) sieht es und kommentiert: „Siehst du, auch du hast jetzt 'nen Apple!“

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Opis Offenbarung

1 Ich sah ein Reck vor mir. Bald erschien ein Engel, und ließ alle Bürger einen Feldaufschwung auf dem Reck machen. 2 Diejenigen, die es nicht schafften, mußten durch die blaue Tür gehen. Und diejenigen, die es schafften, gingen durch die rote Tür. 3 Diejenigen, die durch die blaue Tür gegangen waren, gelangten in eine wunderbare Welt voller Computer und durften programmieren. Und diejenigen, die durch die rote Tür gegangen sind, gelangten in eine Welt voller Recks und durften weiter Klimmzüge machen. 4 Und die Recks in der roten Welt ließen sich durch Computerprogramme aus der blauen Welt steuern.

Links

Franz Oppenheimer: Der Staat
Weitere ausgewählte Schriften von und über Franz Oppenheimer
DadAWeb - die Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus
Chaos Computer Club

Ein paar Zitate

Die Menschen strömen vom Orte des höheren sozialen und wirtschaftlichen Druckes zum Orte des geringeren sozialen und wirtschaftlichen Druckes auf der Linie des geringsten Widerstandes. - Franz Oppenheimer
Die Weltgeschichte ist nur die Beschreibung der Kämpfe der Einzelnen, um die Menge zu besteuern, und der Kämpfe dieser Menge, der Besteuerung zu entgehen. - Henry Charles Carey
Die Gesetze sind gleichsam Festungen,von den Reichen in Feindesland erbaut, wo nur ihnen Gefahren drohen. - Simon Nicolas Henri Linguet
Leben heißt Anpassung äußerer und innerer Relationen aneinander. - Franz Oppenheimer
Der soziale Prozess ist eine unaufhörliche Entwicklung von Personen durch Institutionen, die vollkommenere Personen entwickelt, die wieder vollkommenere Institutionen entwickeln, und so fort ohne erkennbare Grenze. - Albion W. Small